Unterwegs im blauen Universum

UNTERWEGS IM BLAUEN UNIVERSUM
Es ist kein Zufall die Namen Konrad Lorenz und Hans Fricke und eine ausführliche Beschreibung ihrer Forschungsarbeiten über Rifffische in anderen Büchern zu finden, denn der Nobelpreisträger Konrad Lorenz und sein Schüler Hans Fricke haben mit ihren Verhaltensforschungen in dieser Disziplin neue Maßstäbe gesetzt.
Doch, was andere nur würdigend zitieren können, schildert Hans Fricke in seiner hier zu
beprechenden Biografie, als der authentische Akteur. 1941 geboren, geprägt von den Nachkriegsjahren, hungrig nach der Welt draußen und beflügelt von den Abenteuern eines Hans Hass geht Hans Fricke seinen eigenen Weg.
Schon als Elfjähriger bastelt er seine erste Tauchausrüstung, flieht wenige Jahre später aus der DDR und radelt 1962 von Berlin ans Rote Meer zum Tauchen. Die Welt unter Wasser und ihre Lebewesen haben seinen weiteren Lebensweg bestimmt, in der Forschung, in der Lehre und im Wissenschaftsjournalismus. Seine Forschungen erstrecken sich über die ganze Welt und seine international prämierten Dokumentarfilme haben die Weltsicht nicht nur von Tauchern in den letzten Jahrzehnten geprägt. Er erkämpft die Mittel für NERITIKA, ein privat finanziertes Unterwasserhabitat, für GEO und später für JAGO, die ebenfalls privat finanzierten ForschungsUboote. Ob die Wanderung der Aale, die Beobachtungen lebender Quastenflosser oder giftiger Schwefelbakterien in Alpenseen,
Hans Fricke nimmt in seinen Filmen und Präsentationen sein Publikum und in seiner
Biografie seine Leser mit auf eine spannende Zeitreise. Seine vielfältigen Begegnungen sind ein „Who is who“ der Forschung und der Tauchgeschichte der letzten 60 Jahre, denn schon früh hat Hans Fricke seine Aktivitäten ausgeweitet, half bei Bergungen abgestürzter und versunkener Flugzeugwracks und bei archäologogischen Einsätzen in Brunnen oder bei der Schatzsuche im Toplitzsee. Er grub die Schicksale arktischer Expeditionen in den Archiven aus, suchte und fand die Artifakte dieser Expeditionen. Ausführlich schildert er hier seine Recherchenarbeit.
In allen Kapiteln dieser Biografie schwingen die Beigeisterung, die Besessenheit und die
Zielstrebigkeit des Autors mit, der seine Leser auch hinter die Kulissen schauen lässt und die in Deutschland schwierigen Finanzierungsmöglichkeiten für außergewöhnliche Forschungsobjekte nicht verborgen hält. Ganz nebenbei wurden Frickes Beobachtungen, Dokumentationen und Forschungen zu wichtigen Zeugnissen der Meeresökologie und der Veränderungen in den Riffen. „Unterwegs im blauen Universum“ ist lesenswerte,
spannende Zeitgeschichte, hautnahe Forschung, inspirierend und mahnend zugleich.
In älteren Lesern wird sie viele Zeiterinnerungen wach rufen. Jüngeren wird sie aufzeigen, wie man mit Engagement und Ausdauer seine Ziele verfolgen und verwirklichen kann.
Hans Fricke: unterwegs im blauen Universum.

(Dr. F. Naglschmid)

Galiani-Berlin; 1. Auflage (März 2020). Hardcover,
352 Seiten, 70 Abb., 14.9 x 2.41 x 21.9 cm. Keine
Fremdwerbung, € 25,– ISBN 978-3869712024

 

Dieser Beitrag wurde unter Buch-Tipps veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.