Was lebt?

WAS LEBT?
DIE GRUNDFRAGE DER BIOLOGIE
Wir steigen als Taucher und Schnorchler in Flüsse,
Seen und Meere um dort je nach Gewässer die
faszinierenden Formen des Lebens von den farbenprächtigen
Korallen über Muscheln, Schnecken
und Fische bis zu den riesigen Walen zu beobachten.
Doch die Begeisterung lässt in einer vom
Plankton getrübten Suppe schnell nach, und das
nicht nur bei UW-Fotografen und UW-Filmern.
Nachdenklich machen uns Hinweise auf Bakterien
in einem Gewässer und seit Corona sind auch
Viren stärker ins Bewusstsein gerückt. Krankheitserreger,
so der meisten erster Gedanke und der kann durchaus berechtigt
sein. Aber die Wahrheit ist eben auch hier wesentlich vielfältiger.
Vom positiven Wirken der Bakterien im lebensnotwendigen
Darmbiom und der schützenden Bakterienhülle
als Hautbiom haben viele inzwischen wenigstens
gehört. Dass aber auch Viren, Viroide und
Prionen hier entscheidend mitspielen ist selbst der
Wissenschaft erst seit Kürzerem bekannt. Dabei ist
das, was wir bislang als Biosphäre bezeichnen nur
ein Bruchteil dessen, was die Virosphäre an Masse,
Verbreitung und Einfluss auf unserem Globus zu
bieten hat. Jeder Milliliter Wasser, der uns beim
Tauchen umspült, enthält unendlich mehr Viren
und Bakterien als wir in unserem gesamten Blickfeld
an sichtbarem Leben erfassen können.
Da Viroide und Prionen oft nur Makromoleküle sind,
stellt sich sofort die Frage, ob das noch lebend oder
doch nur nicht lebende Materie ist.
Aleksandar Jancjic, Jahrgang 1992, der an der
Technischen Universität München sowohl Ökologie
als auch Astrophysik studierte, hat sein
Sachbuch dieser grundlegenden Frage unseres
Seins gewidmet. Ein nicht gerade einfaches Unterfangen
bei mehr als derzeit bekannten über 120
Erklärungsversuchen für das Wesen des Lebens.
In drei Kapiteln umreißt der Autor das Thema. Im
ersten stellt er das Streben nach Vereinheitlichungen
in der Naturwissenschaft dar und bezieht sich
auf physikalische Vorbilder für die Beschreibung
des Lebens. Zum besseren Verständnis werden
hier auch die Wege des Erkenntnisgewinns von
Newton bis Einstein aufgezeigt, immer auf der
Suche nach vereinheitlichter Theorie. Im zweiten
Kapitel steht die Beschreibung der äußeren
Merkmale des Lebens in der klassischen Biologie
im Mittelpunkt. Keines dieser Merkmale reicht
alleine aus, um Leben zu definieren. So ist Fortpflanzung
ein Kennzeichen des Lebens, wenn man
kann durchaus berechtigt sein. Aber die Wahrheit
ist eben auch hier wesentlich vielfältiger. Vom
positiven Wirken der Bakterien im lebensnotwendigen
Darmbiom und der schützenden Bakterienhülle
als Hautbiom haben viele inzwischen wenigstens
gehört. Dass aber auch Viren, Viroide und
Prionen hier entscheidend mitspielen ist selbst der
Wissenschaft erst seit Kürzerem bekannt. Dabei ist
das, was wir bislang als Biosphäre bezeichnen nur
ein Bruchteil dessen, was die Virosphäre an Masse,
Verbreitung und Einfluss auf unserem Globus zu
bieten hat. Jeder Milliliter Wasser, der uns beim
Tauchen umspült, enthält unendlich mehr Viren
und Bakterien als wir in unserem gesamten Blickfeld
an sichtbarem Leben erfassen können. Da
dies aber im Moment nicht tut, ist man dennoch
lebendig. Auch Wachstum ist ein solches Merkmal.
Aber auch Kristalle wachsen ohne lebendig zu
sein. Erst vereinheitlichende Hypothesen unter
Einbeziehung der Chemie und Physik können die
Lösung bringen. Diesem inneren Verständnis des
Lebens aus der Physik heraus ist das dritte Kapitel
gewidmet. Dass in dieser Betrachtung am Ende
Künstliche Intelligenz und Maschinen einbezogen
sind, ist besonders spannend. Der Autor betont
zwar, dieses Buch für Laien geschrieben zu haben,
sein Lektüre erfordert dennoch ein hohes Maß an
naturwissenschaftlichen Kenntnissen. Es macht
außerdem am gewählten Beispiel Leben und Nicht
Leben deutlich, wie schnell durch Vereinfachungen
etwas falsch werden kann. Die Gefahren durch
Vereinfachung zu Fehlbeurteilungen zu kommen
zeigt sich in allen aktuellen Gesellschaftsfragen.

Aleksandar Jancjic: Was lebt? Die Grundfrage der
Biologie. Springer Verlag Berlin 2021. Taschenbuch,
151 Seiten, 12.6 x 1.2 x 20.3 cm. 20.00 Euro, keine
Fremdwerbung ISBN-13:978-3662623725

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